Billig, billig, billig..

... oder wie verkaufe ich meinen Arbeitsplatz!

Heute muss für uns immer alles billig sein. Letztendlich entscheidet nur noch der günstigste Preis, ob wir ein Produkt kaufen, oder nicht.
Dabei kommt es mehr und mehr vor, dass wir uns auch schon mal von einem qualitativ höherwertigen Produkt, oder einer qualitativ höherwertigen Dienstleistung, abwenden und uns eben doch für das günstigere Angebot entscheiden.
So hört man jetzt nicht mehr, wie teuer das Produkt gewesen ist, sondern wie billig.

Vom Geiz-ist-geil-Zeitalter bleibt keine Altersgruppe verschont, und so kaufen selbst Millionäre bei Aldi und Co. und machen sich, wie viele andere auch einen Volkssport daraus, am billigsten einzukaufen.

Ich entsinne mich noch an Zeiten, in denen gefragt wurde, wie man nur bei Aldi und Co. einkaufen kann.

Das ist aber schon lange her.

Mir ist klar geworden, dass sich einiges grundlegend in unserem Konsumverhalten geändert hat und dass die Folgen aus dieser Denkweise fatal sind.

Jeder Mensch müsste doch eigentlich wissen, dass es nicht sozialverträglich ist, wenn die Preise im Nahrungsmittelbereich immer günstiger werden, obwohl die Kosten für Unternehmen jährlich etwa um 5-6% steigen.

Unternehmen, die im Discountbereich agieren, müssen folglich auch günstig einkaufen und ihre Kosten möglichst gering halten. Der günstige Einkauf der Discounter zwingt die Erzeuger, immer kostengünstiger zu produzieren.

Und wie kann man günstig produzieren? Indem man leistungsfähige Maschinen anschafft und Arbeitsplätze abbaut oder wie z.B. die Backwaren aus den Ostblockstaaten zukauft. Dasdie Waren dann durch halb Europa gefahren werden müssen ist dabei uninteressant. Die Gewinne der Discounter und auch der Erzeuger schwinden dabei auf ein Minimum und lassen keine unternehmerischen Fehlentscheidungen mehr zu.

Globalisierung war nur bei ganz großen Firmen ein Thema, dass keiner so richtig nachvollziehen konnte. Heute aber hört man an jeder Ecke, dass die eine Firma die andere geschluckt hat. Wenn 2 Firmen aber fusionieren, braucht man nur eine Logistik und in der Produktion sieht es nicht anders aus. Das bedeutet wiederum, dass genau an dieser Stelle Arbeitsplätze abgebaut werden. Weniger Arbeitsplätze bedeuten aber, dass der Arbeitnehmer keine Steuern und Sozialleistungen in die Kassen einzahlt, sondern aus diesen das Geld erhält.

Genau daraus ergeben sich die Stellenstreichungen, von denen wir täglich in den Medien hören.

Folglich steigen nicht nur die Steuern, sondern es werden höhere Beiträge für Sozialversicherungen verlangt und das bei gleichzeitiger Reduzierung der Leistungen.

Mehrwertsteuererhöhung, 5 % Steigerung der Lohnnebenkosten für 400 € Jobs, weniger Pendlerpauschale, Reichensteuer, Zuzahlung bei Arztbesuchen, Rezeptgebühren, Umlage der Mautgebühren und fortwährende Anpassungen der Krankenkassenbeiträge, sind nur einige davon.

Im Umkehrschluss muss der Arbeitnehmer natürlich mehr Geld verdienen, um seinen Unterhalt im gleichen Maße fortzuführen.

Mehr Kosten bedeuten aber, entweder die Preise steigen um die Mehrkosten oder die Unternehmen fusionieren mit anderen Unternehmen, entlassen Personal oder verlagern ihre Arbeit in die Billiglohnländer.

Das Verrückteste daran ist aber, dass wir durch die Rationalisierung nicht nur einen erheblichen Qualitätsverlust der Produkte erleben, sondern uns im Service und Dienstleitungsbereich zurückentwickeln und somit erheblich an Lebensqualität einbüßen müssen.

Heute ist es undenkbar, dass jemand an der Tankstelle Ihr Auto betankt, Ihr Bäcker Ihnen morgens ihre 3 Brötchen kostenlos vor die Tür legt, Sie kostenlos kompetente Hilfe am Telefon erhalten und nicht mit einer elektronischen Stimme in einem Call-Center vorlieb nehmen müssen.

Mir fallen noch Hunderte solcher Beispiele ein und ich bin mir sicher, dass ihnen so etwas alltäglich bekannt ist.

Es ist klar, dass dies nur ein kleiner Teil des Ganzen ist, aber es ist ein Teil, an dem wir maßgeblich mit einem überlegten Konsumverhalten etwas ändern können.

In unserer Branche schließen jährlich ca. 800-1000 backende Betriebe und so fallen jährlich 17.000 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit.

Im Gegenzug erweitern jährlich 1500 nicht backende Bäckereidiscounter und SB-Bäckereien mit insgesamt 3000 neuen Arbeitsplätzen.